2. Juni 20269 min read
Aufmaß-App für Dachdecker: Materialbestellung
Wie Dachdeckerbetriebe ihre Aufmaße digital erfassen, Materiallisten direkt am Objekt generieren und Wetterfenster sauber in die Planung integrieren.
In Dachdeckerbetrieben, mit denen wir arbeiten, steckt das halbe Wissen über ein Objekt auf einem Aufmaß-Block oder im Kopf des Vorarbeiters. Im Büro wird abends abgetippt, dazwischen geht ein halber Tag Reibung verloren. Wer das Aufmaß heute noch auf Papier macht, kennt das Muster.
Dazu kommen zwei Effekte, die jeder Inhaber benennen kann: Die Materialliste driftet zwischen Lager, Büro und Baustelle auseinander. Und der Wochenplan am Whiteboard im Büro sagt nichts darüber aus, ob am Donnerstag überhaupt eingedeckt werden kann.
Laut Bitkom-Umfrage zur Digitalisierung im Handwerk nutzen nur vier Prozent der Handwerksbetriebe aktiv KI- oder digitale Assistenz-Werkzeuge in der Auftragsabwicklung. Das ist nicht überraschend, aber es zeigt, wo der Hebel liegt.
Wo es im Dachdeckeralltag in der Regel hängt
Vier Schmerzpunkte tauchen praktisch in jedem Erstgespräch auf:
- Aufmaß auf Papier oder im Kopf. Der Vorarbeiter misst, skizziert auf einem A4-Block, fotografiert mit dem privaten Smartphone. Abends im Büro wird das in eine Excel-Datei übertragen. Übertragungsfehler bei Flächen, Gauben oder Kehlen kosten Material oder einen zweiten Termin.
- Materialliste in drei Versionen. Das Original liegt im Büro, eine handschriftliche Kopie im Lager, eine dritte als WhatsApp-Foto beim Vorarbeiter. Was tatsächlich auf der Baustelle ankommt, klärt sich erst beim Abladen.
- Wetterfenster lebt am Whiteboard. Im Büro wird wochenweise geplant, am Whiteboard mit farbigen Magneten. Wer kurzfristig prüfen will, ob Donnerstag und Freitag noch trocken bleiben, ruft jemanden an oder öffnet drei Wetter-Apps nebeneinander.
- Foto-Doku für die Abnahme verteilt sich auf Telefone. Die Bilder für die Schlussrechnung liegen auf vier verschiedenen Handys, im schlechtesten Fall im WhatsApp-Verlauf. Bei einer Reklamation zwei Jahre später ist die Suche vorprogrammiert.
Das ist nicht die Stelle, an der ein voll ausgebautes ERP hilft. Es ist die Stelle, an der eine schlanke, auf den eigenen Prozess zugeschnittene Web-App den größten Hebel hat. Wer das Thema gerade aus der Excel-Perspektive sieht, findet in Excel ablösen im Mittelstand den Übergangs-Pfad, der bei uns am verlässlichsten funktioniert.
Was ein realistisches System leisten muss
Wir bauen für Dachdeckerbetriebe bewusst keine "Branchenlösung mit allem". Wir bauen ein System, das genau die vier Schmerzpunkte oben löst, in unter sechs Monaten live ist und sich auf dem Dach am Tablet bedienen lässt. Bei Custom Web-Apps für den Handwerksbetrieb hat sich diese Mindestliste etabliert:
- Aufmaß am Tablet, offline-fähig. Dachflächen, Gauben, Kehlen, Anschlüsse als Positionen mit Skizze und Foto. Auch dann nutzbar, wenn das Mobilfunknetz auf dem Dach wegbricht.
- Eine Objekt-Akte pro Auftrag. Stammdaten, Aufmaß, Materialliste, Fotos und Stunden hängen am selben Datensatz. Nicht in fünf Apps, sondern in einer.
- Materialliste aus dem Aufmaß. Mengen werden aus den eingegebenen Flächen berechnet, Aufschlag für Verschnitt ist parametrisierbar. Das Ergebnis ist eine Bestellanforderung, kein Schätzwert.
- Wochenplan mit Wetter-Layer. Kolonnen und Objekte im Wochenplan, darüber eine Wettervorhersage pro Postleitzahl. Sturm- oder Regenwarnungen sind sofort sichtbar.
- Rollen für Büro, Vorarbeiter und Geselle. Wer was sieht und ändern darf, ist klar geregelt. Der Geselle braucht keine Preise, das Büro keine Foto-Einstellungen.
- Foto-Doku am Objekt. Vor der Arbeit, während der Arbeit, nach der Abnahme. Sortiert, mit Zeitstempel, ohne WhatsApp-Umweg. Die rechtliche Seite haben wir in Fotodokumentation auf der Baustelle: WhatsApp und DSGVO beschrieben.
- Export für die Buchhaltung. Stunden und Material als sauberer Export, damit am Monatsende keine Doppeleingabe nötig ist.
Mehr braucht es zum Start nicht. Vor allem braucht es kein CRM, kein Kassensystem und keine Personalverwaltung im selben Tool. Das kommt später, wenn überhaupt.
Der Hebel-Schritt: erst Aufmaß, dann Materialliste
Wenn wir mit Inhabern reden, ist das Aufmaß der Schmerz, an dem es zuerst zu Boden geht. Drei Gründe, warum genau dort gestartet wird:
- Zweitschreiben kostet Zeit. Der Vorarbeiter misst und skizziert auf Papier, im Büro tippt es jemand in Excel. Zwei Mal pro Position, bei einem mittleren Objekt schnell eine Stunde.
- Übertragungsfehler kosten Geld. Ein Vertipper bei einer Pultdach-Fläche führt zur Nachbestellung. Im schlechtesten Fall steht die Kolonne am Dienstag auf dem Gerüst, das Material kommt erst am Donnerstag.
- Aufmaß ist Kommunikation, kein reiner Datentyp. Der Vorarbeiter weiß, dass die Kehle auf der Nordseite stärker durchhängt und ein längeres Anschlussblech braucht. Auf dem Zettel steht das nicht. In einer App mit Foto und Notiz schon.
Sobald das Aufmaß sauber digital läuft, folgt die Materialliste fast von allein. Aus den Flächen, Gauben und Kehlen werden Mengen für Eindeckung, Unterspannbahn, Lattung, Folien und Verbinder. Verschnitt-Aufschläge sind hinterlegt, das Ergebnis ist eine Bestellanforderung, die direkt an den Stamm-Großhandel geht.
Das ist nicht spektakulär. Es ist genau die Stelle, an der Inhaber zum ersten Mal sagen: "Jetzt sehen wir, wo bisher die Stunden geblieben sind."
Wetterfenster als Layer im Wochenplan
Das Wetterfenster ist im Dachdeckerhandwerk kein nettes Extra, sondern eine Planungsgröße. Ein Wochenplan, der nicht weiß, dass am Donnerstag Sturm angesagt ist, ist nur eine bessere Excel-Tabelle.
Wir hängen deshalb eine Wettervorhersage als Layer über den Wochenplan. Pro Objekt wird die Postleitzahl ausgelesen, der Forecast zeigt Niederschlag, Windstärke und gegebenenfalls Warnungen. Tage mit roter Markierung lassen sich per Drag-and-Drop verschieben, bevor das Material schon angeliefert ist.
Zwei Effekte beobachten wir in der Praxis. Erstens: Die Materiallogistik wird ruhiger. Lieferungen werden nicht mehr "auf Verdacht" zwei Tage vor Baustart bestellt, sondern parallel zur Wettervorhersage geplant. Zweitens: Die Kolonnen-Disposition lässt sich realistisch puffern. Wenn die App früh genug warnt, lässt sich die Kolonne auf eine Innenarbeit oder eine Reparatur umsetzen.
Ähnliche Effekte sehen wir in anderen Gewerken. In Werkstattzettel im Elektrobetrieb digital und in Auftragsverwaltung in der Schreinerei ist die Mechanik dieselbe: weniger Doppeleingaben, mehr Übersicht, früher reagieren.
So sieht der Übergang in der Praxis aus
Bei Dachdeckerbetrieben hat sich folgender Pfad als belastbar erwiesen:
- Wochen 1 bis 4: Aufmaß-Modul am Tablet. Objektliste, Dachflächen-Editor, Skizzenfunktion, Foto-Anhang, offline-fähig. Erste Kolonnen testen die App auf laufenden Objekten parallel zum Papier.
- Wochen 5 bis 8: Materialliste mit Großhandel-Anbindung. Mengenberechnung aus dem Aufmaß, Bestellanforderung per E-Mail oder Schnittstelle. Verschnitt-Parameter sind editierbar, jeder Betrieb rechnet ein bisschen anders.
- Wochen 9 bis 12: Wochenplan mit Wetter-Layer. Kolonnen, Objekte, Liefertermine, darüber die Wettervorhersage. Konflikte werden farbig markiert, bevor sie zu Problemen werden.
- Ab Monat 4: gezielte Optimierungen. Auf Basis echter Nutzungsdaten, nicht auf Vermutung. Beispiele: Anbindung an den Großhandel-Katalog, automatische Foto-Doku für die Abnahme oder Schnittstelle zur Lohnbuchhaltung.
Diese Reihenfolge ist nicht dogmatisch, aber sie hat einen Grund. Sie liefert nach jeder Etappe etwas, das in der Kolonne produktiv genutzt wird. Kein "Big Bang" nach acht Monaten, bei dem niemand mehr weiß, warum man eigentlich angefangen hat.
Wann es sich wirklich rechnet
Eine eigene Aufmaß-App ist nicht für jeden Dachdeckerbetrieb der richtige Schritt. Faustregel aus unserer Arbeit:
- Sie haben mindestens zwei Kolonnen, die regelmäßig auf wechselnden Baustellen unterwegs sind.
- Sie verlieren spürbar Zeit durch das abendliche Abtippen von Aufmaßen oder Stundenzetteln.
- Es gab in den letzten zwölf Monaten mindestens einen Vorfall, bei dem Material zu spät kam oder eine Kolonne wetterbedingt umgeplant werden musste, ohne dass das Büro rechtzeitig informiert war.
- Sie haben sich schon zwei Mal Branchensoftware angesehen und abgelehnt, weil sie zu sperrig, zu teuer oder zu büro-lastig war.
Wenn drei dieser vier Punkte zutreffen, lohnt sich der Schritt fast immer. Bei nur einem zutreffenden Punkt ist das oft noch zu früh, dann reicht eine bessere Excel-Vorlage. Welche Prozesse sich generell zuerst lohnen, beschreibt Welche Prozesse zuerst automatisieren ausführlicher.
Was wir Dachdeckerbetrieben meistens raten
Drei Sätze, die wir in fast jedem Erstgespräch sagen:
- Fangen Sie beim Aufmaß an, nicht bei der Verwaltung. Das Aufmaß ist der Punkt, an dem doppelte Arbeit und Fehler entstehen. Wer dort sauber digital wird, entlastet alles, was danach kommt.
- Lassen Sie den Vorarbeiter die App vier Wochen mitentwickeln. Wer auf dem Dach steht, weiß, ob ein Bedienelement funktioniert oder im Weg ist. Sein Veto ist mehr wert als drei Lastenheft-Seiten aus dem Büro.
- Halten Sie das System klein. Aufmaß, Material, Wochenplan, Foto-Doku. Das reicht für die ersten zwölf Monate. CRM, Kassensystem oder Personalverwaltung kommen später, wenn überhaupt.
Wochen 1–4
Aufmaß am Tablet
Objektliste, Dachflächen-Editor mit Skizze und Foto, offline-fähig. Kolonnen testen parallel zum Papier.
Wochen 5–8
Materialliste
Mengen werden aus dem Aufmaß berechnet, Bestellanforderung geht direkt an den Stamm-Großhandel.
Wochen 9–12
Wochenplan + Wetter
Kolonnen und Objekte im Wochenplan, darüber Wettervorhersage pro Postleitzahl mit Warnmarkierung.
Ab Monat 4
Optimierungen
Katalog-Anbindung, Foto-Doku für Abnahme oder Schnittstelle zur Lohnbuchhaltung – auf Basis echter Nutzungsdaten.
Wochen 1–4
Aufmaß am Tablet
Objektliste, Dachflächen-Editor mit Skizze und Foto, offline-fähig. Kolonnen testen parallel zum Papier.
Wochen 5–8
Materialliste
Mengen werden aus dem Aufmaß berechnet, Bestellanforderung geht direkt an den Stamm-Großhandel.
Wochen 9–12
Wochenplan + Wetter
Kolonnen und Objekte im Wochenplan, darüber Wettervorhersage pro Postleitzahl mit Warnmarkierung.
Ab Monat 4
Optimierungen
Katalog-Anbindung, Foto-Doku für Abnahme oder Schnittstelle zur Lohnbuchhaltung – auf Basis echter Nutzungsdaten.
Vorher / Nachher
Zeit je Aufmaß auf Baustelle
Vorher60 MinNachher25 Min↓58,3 %Fehler in Materialliste
Vorher18 %Nachher3 %↓83,3 %Tage bis Angebot nach Aufmaß
Vorher4Nachher1↓75 %Rückfragen vom Büro ans Dach
Vorher6 /WocheNachher0,5 /Woche↓91,7 %
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Einführung einer Aufmaß-App im Dachdeckerbetrieb?
Ein gestaffelter Aufbau über vier Monate ist realistisch: vier Wochen Aufmaß-Modul, dann Materialliste mit Großhandel-Anbindung, dann Wochenplan mit Wetter-Layer. Nach acht Wochen sind die Kolonnen auf der Baustelle mit dem Tablet im Einsatz.
Was kostet eine Aufmaß-Web-App für einen Dachdeckerbetrieb?
Eine schlanke Web-App mit Aufmaß, Materialliste und Wochenplan startet für einen mittelständischen Dachdeckerbetrieb typisch im mittleren fünfstelligen Bereich. Kein Per-User-Pricing, keine jährliche Lizenzfalle, Quellcode bleibt beim Betrieb.
Muss die App offline funktionieren?
Ja, das ist eine der wichtigsten Mindestanforderungen. Auf dem Dach, hinter dem Schornstein oder im Funkschatten eines Industriegebäudes ist die Verbindung oft weg. Eine App, die dort nicht weiterläuft, landet schnell zurück im Werkzeugkasten.
Kann die App die Materialbestellung beim Großhandel auslösen?
Ja, das ist meistens Teil der zweiten Iteration. Aus der berechneten Materialliste wird eine Bestellanforderung, die per E-Mail, PDF oder über eine Schnittstelle an den Stamm-Großhandel geht. Eingangsbestätigung und Liefertermin landen am Objekt-Datensatz.
Nächster Schritt
Wenn Sie gerade einen Stapel Aufmaß-Blöcke im Büro liegen haben und das Gefühl, dass jede Woche zwei Stunden im Abtippen verschwinden: Schreiben Sie uns kurz, woran Sie gerade sitzen. Wir antworten mit einer ehrlichen Einschätzung, nicht mit einem Angebot. Wie eine Custom Web-App genau für Ihren Aufmaß- und Materialprozess aussehen kann, klären wir in einem ersten Gespräch ohne Lastenheft.
Aktuelle Förderprogramme für Digitalisierung und KI lassen sich über die Förderdatenbank des Bundes nach Standort und Projektart filtern.
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