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Stückliste und Aufmaß im Metallbau: digital ohne ERP-Monster

Wie Metallbau-Betriebe ihre Stücklisten und Aufmaße in eine schlanke Web-App überführen, ohne ein ausgewachsenes ERP einzuführen.

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In den Metallbau-Betrieben, mit denen wir arbeiten, hängt das halbe Projekt zwischen Tablet, Aufmaß-Block und einem ausgedruckten Plan an der Werkstattwand. Dass das funktioniert, ist nicht selbstverständlich. Dass es leicht zwei Stunden täglich an Reibung verursacht, auch nicht.

Die Frage, die wir im Erstgespräch am häufigsten hören, ist nicht "Brauchen wir ein ERP?". Es ist: "Geht das nicht irgendwie schlanker?"

Wo es im Metallbau in der Regel hakt

Vier Punkte tauchen praktisch immer auf:

  1. Aufmaß vor Ort. Wird auf Papier oder im Kopf gemacht, später im Büro abgetippt. Übertragungsfehler kosten Material oder einen zweiten Termin.
  2. Stücklisten in mehreren Versionen. Das Original liegt in der Konstruktion, eine vereinfachte Version in der Werkstatt, eine dritte beim Einkauf, eine vierte beim Monteur. Welche stimmt heute, weiß keiner mehr.
  3. Projektübersicht. Wer arbeitet woran? Wann fährt der LKW raus? Diese Frage wird typischerweise im Stand-Up am Morgen geklärt, mit einem Whiteboard, das täglich gewischt wird und keine Historie hat.
  4. Montage-Doku. Der Kunde will Fotos vom Einbau, der Bauleiter eine Abnahme-Doku, das Büro eine Stundenmeldung. Drei Apps, drei Datentöpfe, am Ende doch ein WhatsApp-Foto.

Das ist nicht die Stelle, an der ein voll ausgebautes ERP hilft. Es ist die Stelle, an der eine schlanke, gut zugeschnittene Web-App den größten Hebel hat.

Was ein realistisches System leisten muss

Wir bauen für Metallbau-Kunden bewusst keine "Branchenlösung". Wir bauen ein System, das genau die Reibungspunkte oben löst, in unter sechs Monaten live ist und sich auf dem Tablet auf der Baustelle bedienen lässt. Bei Custom Web-Apps für den Metallbau hat sich diese Mindestliste etabliert:

  • Aufmaß-Modul. Auf dem Tablet vor Ort: Positionen erfassen, Maße eintippen, Foto knipsen. Direkt am Projekt, ohne Excel-Datei in der Cloud.
  • Eine Stückliste pro Projekt, in einer Quelle. Konstruktion, Werkstatt und Einkauf sehen denselben Stand. Wer ändert, hinterlässt eine Spur.
  • Projektübersicht im Browser. Ein Kanban-Board oder eine Liste, je nach Geschmack: wer macht was bis wann, mit Status.
  • Montage-Doku am Projekt. Foto, Notiz, Stunden direkt am Projekt-Datensatz, nicht in einem extra Tool.
  • DATEV-Export. Saubere Übergabe der Lohn- und Materialdaten, ohne Doppeleingabe.

Mehr braucht es nicht. Vor allem nicht: ein Modul für CRM, eines für Kassensystem, eines für Personalverwaltung, eines für die Maschinenwartung. Das kommt später, wenn überhaupt.

Aufmaß: der Schritt, der den meisten Hebel hat

Wenn wir mit Inhabern reden, ist das Aufmaß meistens der Schmerz, an dem es zuerst zu Boden geht. Drei Gründe:

  • Zweitschreiben kostet Zeit. Der Monteur misst auf Papier, im Büro tippt es jemand ein. Zwei Mal pro Position.
  • Übertragungsfehler kosten Geld. Ein Vertipper bei der Profil-Länge führt zur Nachbestellung, im schlechtesten Fall zu einer Verzögerung beim Bauherren.
  • Aufmaß ist Kommunikation, kein Datentyp. Der Monteur weiß, dass die Tür "innen Anschlag rechts" ist. Auf dem Zettel steht das nicht. Wenn er es eintippt, schon.

Eine Aufmaß-App muss deshalb nicht spektakulär aussehen. Sie muss vor allem am Tablet im Stehen bedienbar sein, offline funktionieren (in vielen Baustellen kein Netz) und Fotos sauber an die Position hängen. Das sind drei Anforderungen, die viele Branchenlösungen nicht erfüllen, einfach weil sie für den Schreibtisch entwickelt wurden.

Stückliste in einer Quelle: das stille Killer-Feature

Klingt unscheinbar, ist in der Praxis ein Wendepunkt: Eine Stückliste, die in einer einzigen Quelle liegt, an die Konstruktion, Einkauf, Werkstatt und Montage ihre jeweilige Sicht haben. Wer das Thema gerade aus der Excel-Perspektive betrachtet, findet im Artikel Excel ablösen im Mittelstand den gestaffelten Übergangs-Pfad, der bei uns am verlässlichsten funktioniert.

  • Die Konstruktion sieht alle Positionen mit allen technischen Details.
  • Der Einkauf sieht nur das, was beschafft werden muss, mit aktuellen Preisen.
  • Die Werkstatt sieht die Reihenfolge der zu fertigenden Teile, mit Status.
  • Die Montage sieht nur das, was zum Termin gebraucht wird, mit Foto und Position.

Wenn jemand die Stückliste ändert, sehen es alle. Wenn jemand sie ändert und das nicht darf, lässt sich das verhindern. Diese eine Datenquelle ist meistens der Punkt, an dem Inhaber zum ersten Mal sagen: "Jetzt verstehen wir, warum das vorher so anstrengend war."

Warum nicht einfach ein ERP?

Diese Frage stellt sich praktisch immer. Drei ehrliche Antworten:

  • Einführungszeit. Ein ausgewachsenes ERP kostet im Mittelstand häufig 12 bis 24 Monate Einführung. Eine schlanke Web-App ist in acht bis zwanzig Wochen live.
  • Funktionsumfang. Ein ERP bringt 200 Module mit, von denen Sie 30 brauchen, davon 15 sofort. Sie zahlen trotzdem für alle.
  • Anpassbarkeit. Wenn Ihr Aufmaß-Prozess in drei Schritten läuft, das ERP aber zwei vorsieht, müssen Sie sich anpassen, nicht das ERP. Bei einer eigenen Web-App ist das umgekehrt.

Das heißt nicht, dass ein ERP grundsätzlich falsch wäre. Es heißt: Für die meisten mittelständischen Metallbau-Betriebe ist eine Web-App, die genau ihre vier bis fünf Hauptprozesse abbildet, der bessere Einstieg. Das ERP kann später kommen, wenn überhaupt.

So sieht der Übergang in der Praxis aus

Bei Metallbau-Kunden hat sich folgender Pfad als belastbar erwiesen:

  1. Wochen 1–4: Projektübersicht & Stückliste. Eine Web-App mit Projektliste, Status, Stückliste-Editor, einfacher Rechteverwaltung.
  2. Wochen 5–10: Aufmaß-Modul. Mobile-first, offline-fähig, mit Fotos.
  3. Wochen 11–16: Montage-Doku und DATEV-Schnittstelle. Stundenerfassung, Abnahmedoku, Übergabe an die Buchhaltung.
  4. Ab Monat 6: erste Optimierungen. Zum Beispiel automatische Stücklisten-Generierung aus dem CAD-Export.

Diese Reihenfolge ist nicht dogmatisch, aber sie hat einen Grund: Sie liefert nach jeder Etappe etwas, das produktiv genutzt wird, statt nach acht Monaten einen Big Bang.

Was wir Metallbau-Betrieben meistens raten

Drei Dinge, die wir in fast jedem Erstgespräch sagen:

  • Fangen Sie bei der Übersicht an, nicht beim Aufmaß. Aufmaß ist sexy, Übersicht ist die Basis. Ohne klares Datenmodell bringt das beste Aufmaß-Modul nichts.
  • Lassen Sie den Vorarbeiter im Boot. Wer auf der Baustelle steht, weiß, ob die App ihn unterstützt oder behindert. Sein Veto ist mehr wert als drei Lasten-Heft-Seiten.
  • Bauen Sie nicht das, was die Konkurrenz hat. Bauen Sie das, was Ihren Prozess abbildet. Standardlösungen gibt es genug.

Wenn Sie gerade ein zu großes ERP-Angebot auf dem Tisch haben und sich denken "Das kann's nicht sein": Sagen Sie kurz Bescheid. Wir schauen mit Ihnen ehrlich, ob eine schlankere Lösung trägt.

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